You are currently viewing Wanderfahrt Wien Budapest 6 Tage mit allem im Boot

Wanderfahrt Wien Budapest 6 Tage mit allem im Boot

Ein Bericht von Stefan Rozporka, Obmann der Nibelungen

Schon lange vor der DAVIEBRA 3.0 im Jahr 2025 gab es die Idee, von Bratislava aus weiter bis nach Budapest zu rudern. Am Anfang wollte niemand so richtig auf die Idee anspringen, da die Überlegung war, alles im Boot mitzunehmen und des Öfteren am Donaustrand zu zelten. Das schreckte einige ab. Schlussendlich fanden sich Peter, Nicole und Stefan von den Nibelungen sowie Sandra und Sylvia von Donau Linz, die dieses Abenteuer wagen wollten.

Die alles entscheidende Frage war: Wie bringen wir unser komplettes Gepäck ins Boot? Geplant war, einen Schellenbacher 5er-Renngig zu rudern. Der hat zwar im Bug und im Heck viel Stauraum, aber es war klar, dass es eng werden würde.

Stefan ist mit Emil von der Austria den Teil der Strecke bis Komárom schon gerudert und hatte daher eine Vorstellung davon, was auf uns zukommen könnte. Er profitierte von seinem Wissen über die Anlandeplätze und mögliche Übernachtungspositionen. Auch Franz von den Tullnern konnten wir befragen, und auch er konnte wertvolle Informationen liefern. Außerdem hatten wir den Tagesplan der Frauenwanderfahrt des ÖRV von 1991 zur Verfügung. So entstand ein Plan mit den Tageszielen und Zwischenstationen.

Am Freitag vor der DAVIEBRA haben wir uns bei den Nibelungen zum Beladetest getroffen und alles, was unbedingt mit musste, ins Boot eingeladen. Im Aufenthaltsraum setzten wir uns bei den Küchenutensilien und der Verpflegung zusammen und diskutierten über jedes einzelne Teil. Einige Dinge mussten aussortiert werden.

Am Samstag ging die Reise mit der DAVIEBRA 3.0 dann nach Bratislava los. Wir waren noch nicht in der Besetzung unterwegs, mit der wir dann nach Budapest fahren wollten, und ein großer Teil des Gepäcks fuhr dank des Transports von Werner mit dem Bootsanhänger nach Bratislava. Die DAVIEBRA 3.0 war ein toller Erfolg. Den entsprechenden Bericht gibt es an anderer Stelle.

Sonntag

Am Sonntag trafen wir uns beim SVK in Bratislava. Es stellte sich heraus, dass wir unser Gepäck weiter reduzieren mussten, um alles ins Boot zu bringen. Das dauerte seine Zeit, und um ca. 12:00 Uhr legten wir schließlich ab.

Die anfängliche Unsicherheit, wie es ist, mit einem vollbeladenen Boot unterwegs zu sein, wich der Bestimmtheit, dass wir durch das hohe Gewicht im unteren Teil des Bootes sehr stabil sind. Die Strömung war sehr stark und wir fuhren mit 20 km/h stromabwärts durch die nächsten Brücken und vorbei an den Hafenanlagen. Spätestens jetzt war klar: Das Abenteuer hat begonnen.

An der Stelle, an der der Kanal zum Kraftwerk Gabcikovo beginnt, wird die Donau sehr breit und man fühlt sich fast wie am Meer.

In der Marina des Museums Danubius legten wir bei einem Floß für Motorboote an. Prompt verklemmte sich ein Ruder und wurde angeknackst. Weiterrudern war damit nicht möglich. Peter kannte die Marina jedoch und wusste, dass es dort eine Bootswerkstatt gibt. Dank der Übersetzung seiner Frau, die er dazu ans Telefon holte, war schnell klar, worum es ging. Es sollte eine Stunde dauern, bis die Reparatur abgeschlossen ist. 50 Euro waren als Preis vereinbart. Wir nutzten die Zeit für eine Pause im Restaurant und genossen bei Essen und Bier die Auszeit. Das Ruder wurde repariert und wir waren froh, es wieder in Händen zu halten.

Wir ruderten weiter auf der dort sehr breiten Donau und orientierten uns an den künstlich angelegten Inseln sowie dem rechten Ufer. In Erwartung der Übertragungsstelle mit den drei Stiegen schauten wir immer wieder auf die Handys, um zu sehen, wie weit es noch war. In Google Maps gab es auch ein Foto, auf dem „SPORT STOP” zu sehen war. Was ich allerdings vergaß, ist, dass dieser Schriftzug auf der linken Donauseite zu lesen ist.

Schlussendlich fanden wir den Ort mit den drei Stiegen. Er war von einer Gruppe Fischer besetzt, die uns keinen Platz machen wollten. Erst als wir ihnen klarmachten, dass wir nach Budapest rudern wollten, räumten sie das Feld.  Wir schleppten alle unsere Sachen aus dem Boot hinauf auf den Damm.

Danach trugen wir auch die Ruder und das Boot nach oben. Wir unternahmen eine Erkundungstour zur Übertragstelle und machten einen Plan, wie wir diese Strecke bewältigen wollten. Beim Einsetzen in das Alte Donaubett wartete eine etwa ein Meter hohe Stufe auf uns. Wir meisterten das Übertragen bravourös, beluden unser Boot und machten uns auf den Weg.

Die Dämmerung holte uns ein. Wir beschlossen, uns früher als geplant einen Zeltplatz zu suchen, um nicht in vollständiger Dunkelheit anzukommen. Wir wurden fündig und schlugen unser Lager auf einer Sandbank auf. Zuvor checkten wir noch die Entwicklung des Wasserstandes, denn hoch über dem Wasser waren wir nicht. Drei Fischer verließen die Schotterbank, sodass sie uns ganz allein gehörte. Wir stellten die Zelte auf und räumten unser Gepäck aus. Das Boot verstauten wir in einer kleinen Bucht, unserer „Bootsgarage“.

 Wir kochten gemeinsam das Abendessen auf unseren beiden Gaskochern und ließen die Erlebnisse des Tages Revue passieren. Schon bald fielen wir müde in unsere Schlafsäcke und schliefen tief und fest.

Montag

Dank der großen Espressokanne konnten wir morgens genug Kaffee kochen. Die aufgehende Sonne und der einmalige Platz direkt am Wasser waren ein tolles Erlebnis. Das Beladen des Bootes ging schon viel besser von der Hand, da jeder wusste, welcher Sack wo hin kommt. Jeweils einen großen Bootssack hatten wir oben am Bug und am Heck montiert. Alles andere war im Boot verstaut und gesichert.

Das Alte Donaubett ist eine Aulandschaft, in der es keinen Schiffsverkehr gibt. Nur ab und zu kommt ein Fischer in einem kleinen Motorboot vorbei. Wir genossen die Landschaft und ruderten munter bis zum Fähranleger auf der linken Seite, wo uns das Café Kompa, ein Imbisslokal, anlachte. Es war unsere Mittagspause, und wir aßen Klobasse, tranken Kaffee und genossen Marillenpalatschinken. Das Wetter war herrlich. Wir verbrachten einige Zeit an diesem Ort.

Wir ruderten weiter im Alten Donaubett und waren schon viel zu früh wieder in der Donau. Es ging weiter nach Nagybash. Dort badeten wir am Strand in der Donau.

Wir konnten nicht glauben, dass Google richtig lag und das angestrebte Fischrestaurant tatsächlich Ruhetag hatte. Wir kehrten dann in der Dorfkneipe ein – bei uns würde man „Branntweiner” dazu sagen – und tranken das wohlverdiente Bier. Im ehemaligen ABC-Supermarkt füllten wir unseren Proviant auf und waren enttäuscht, keinen Barack Palina zu finden.

Zwei Buhnen weiter unten auf der Donau am linken Ufer steuerten wir unseren Schlafplatz an. An diesem Platz plagten uns die Gelsen extrem. Wir stellten rasch die Zelte auf, zündeten ein Lagerfeuer an und bereiteten das Abendessen zu.

Der Sonnenuntergang, den man von dort aus auf der anderen Donauseite beobachten kann, ist umwerfend schön.

Später am Abend kam Reinecke Fuchs zu Besuch und umrundete uns mehrfach. Wir wussten nicht genau, wie wir uns verhalten sollten, und es war uns etwas unheimlich. Am Morgen fanden wir heraus, dass wir praktisch direkt über seinem Bau gecampt hatten.

Dienstag

Bis um 10 Uhr brauchten wir immer, um zu frühstücken, alles zu packen, wieder im Boot zu verstauen und abzulegen.

An diesem Tag ruderten wir weiter auf dem breiten Donaustrom und kamen zügig voran. Wir machten einen kleinen Abstecher in den Altarm bei der Schleuse der Mosoni Duna. Dort befindet sich eine idyllische Donausiedlung. Zum Aussteigen taugt die Rampe Richtung Schleuse allerdings nicht, da sie sehr verschlammt war. Wir machten an einer anderen Stelle eine kurze Pause.

In Gönyü legten wir trotz der vielen großen Steine am Strand an und hielten eine ausgiebige Mittagsrast. Im Gödör Buffet bekamen wir endlich den lang ersehnten Fisch. Das Essen schmeckte köstlich.

Weiter ging es nach Komárno. Wir hatten von den Normannen einen Tipp bekommen und checkten im Hotel Litovel in der Slowakei ein. Mit zwei Taxifahrten kamen wir alle im Quartier an. Das Boot blieb am Strand liegen.

Da sich im selben Haus wie das Quartier auch ein Lokal befand, mussten wir uns nicht mehr aus der Unterkunft wegbewegen.

Es tat gut, einmal wieder eine richtige Dusche zu haben. Der Besuch im Lokal war sehr angenehm, denn wir mussten einmal nicht selbst kochen und wurden einfach gut versorgt. Sandra übernahm immer die Kommunikation mit den Quartieren und den Personen, die uns, wie in Budapest, die Ausstiegsstellen öffneten.

Mittwoch

Das Frühstücksbuffet bot eine großartige Vielfalt. Mit zwei Taxis ging es wieder zurück auf die ungarische Seite. Im Tesco deckten wir uns noch mit ungarischem Gelsenspray und weiterer Sonnencreme ein. Beim Einsteigen ins Boot, das schon im Wasser war, fuhren zwei Schiffe vorbei und machten uns große Wellen. Wir hielten zu fünft unser Boot fest. In diesem Moment stach mich eine Wespe zwischen Zeigefinger und dem nächsten Finger, was höllisch wehtat. An Auslassen war aber nicht zu denken. Noch lange Zeit spürte ich den Schmerz, vor allem, wenn die Stelle nass und kalt wurde. Es gelang uns, ohne Havarie einzusteigen, und weiter ging es stromabwärts.

Das Gebäude der ehemaligen Grenzstation ist schon stark verfallen, faszinierend ist es trotzdem, denn es steht mitten im Wasser.

 In Esztergom legten wir vor der Brücke am Strand an. Leider gab es dort gerade eine große Baustelle, sodass wir keinen guten Platz zum Anlegen fanden, um auf den Campingplatz zu gelangen. Auch der Ruderverein befand sich dahinter. Nach einer Erkundungstour quer durch die Baustelle war klar, hier können wir nicht bleiben.

Wir ruderten wieder ein kleines Stück stromaufwärts, legten am Strand an und schlugen unser Lager auf. Wir hatten bereits Routine und kochten unser Abendessen.

Der Bierdurst war so groß, dass Peter den beschwerlichen Weg durch die Au und über die Baustelle auf sich nahm, um Bier zu besorgen. Auf dem Rückweg wurde er von jemanden verfolgt, der ihm klar machen wollte, dass er hier nichts zu suchen habe. Peter flüchtete erfolgreich.

Später in der Nacht besuchte uns Reinecke Fuchs erneut. Diesmal war er sehr zutraulich, sodass wir ihn heftig verscheuchen mussten. Später kam er wieder und knabberte diverse Kunststoffteile an, die wir vergessen hatten, im großen Proviantsack zu verstauen und aufzuhängen. Peter bekam dort seinen Spitznamen „Fuchskuschler“, denn er wollte den Fuchs füttern, was wir aber zu verhindern wussten. Wir hatten eine wunderbare Aussicht auf die Stadt.

Donnerstag

Am nächsten Tag begann alles wie immer: einpacken, Boot beladen, losfahren. Kaum waren wir durch Esztergom durch, begann ein sehr starker Wind zu wehen. Wir ruderten immer näher bein Ufer, wo die Wellen kleiner waren.

Wie aus dem Nichts erschien eine Buhne, die bis in die Mitte der Donau reichte. Wir staunten nicht schlecht und beschlossen, sicherheitshalber anzulegen und die Situation zu erkunden. Google Maps und OpenStreetMap waren uns dabei eine große Hilfe. Wir fanden heraus, dass es zwei Buhnen hintereinander waren. Schlussendlich wagten wir uns in den Strom und fuhren ganz hinaus, um die Buhnen zu umrunden. Alles ging gut, was auch daran lag, dass wir den Schwerpunkt weit im Boot hatten und alle Donauerfahrung hatten. Wir schlichen uns weiter am Ufer entlang die Donau hinab. Durch die unerwartete Begegnung mit sieben Kreuzfahrtschiffen, die im Konvoi fuhren, waren wir erneut sehr überrascht. In Pilismarót Dunapart legten wir an.

Nur mithilfe von Google Translate gelang es uns, beim lokalen Buffet Pommes zu bestellen. In Ungarn heißen Pommes „sültkrumpli”.

Wir hatten eine zu lange Pause gemacht und waren aufgrund des Gegenwinds hinter unserem Zeitplan. Wir ruderten durch den malerischen Szendenré-Kanal und kamen schließlich am Campingplatz Csarda in Papsziget an. Wir mieteten zu viert ein Häuschen und Peter schlug sein Zelt im Garten auf.

Die Suche nach einem Lokal mussten wir mangels Angebot aufgeben, denn alle hatten schon geschlossen. Zum Glück fanden wir noch den etwas versteckten Alkohol-Laden am Eingang des Campingplatzes. So war die Versorgung gesichert. Wir kochten und ich bekam an meinem Geburtstag eine Torte mit einer Sprühkerze sowie ein Geschenk. Wir genossen die Dusche und das Bett.


Freitag

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es am nächsten Tag im Szentendre-Kanal weiter. Wir genossen die vorbeiziehende wilde Aulandschaft sehr. Wir trafen zum ersten Mal auf einen Einer-Ruderer. Es war klar: Challenge accepted! Wir erhöhten den Druck und versuchten, ihn einzuholen, was uns nach einigem Kampf auch gelang. Es stellte sich heraus, dass er aus einem Ruderverein im Norden von Budapest gestartet war. Vor Budapest legten wir für eine Pinkelpause an. Beim Ablegen schoben wir das Boot gegen einen der zahlreichen herumliegenden Steine. Die Gigi bekam einen Kratzer.

In Budapest lief alles glatt. Es ist sehr schön, die Stadt vom Wasser aus zu sehen.

Unterhalb von Budapest legten wir am rechten Donauufer bei einer Rampe an. Sandra hatte mit László vereinbart, dass er uns das Tor am oberen Ende der Rampe aufschließt. Müde, aber froh, unbeschadet am Ziel angekommen zu sein, schleppten wir unser Gepäck, das Boot und uns selbst die Rampe hinauf. Wir lagerten auf dem Parkplatz des Event-Spaces, der gleich dahinter residiert.

Wie geplant kamen die Freunde von Sandra und Sylvia mit meinem Auto und unserem Bootsanhänger zum vereinbarten Platz. Ich war froh, dass alles geklappt hatte. Peter, Nicole und ich machten uns mit Boot und Anhänger auf den Rückweg. Sandra und Sylvia blieben mit ihren Freunden noch eine Nacht in Budapest.

Als ich wieder im Verein angekommen war, wurde mir langsam klar, dass wir ein Abenteuer erlebt hatten. Der Gedanke „Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Meer? Niemand!“ schlich sich leise in meinen Kopf. Nach der DAVIEBRA 4.0 (Save the Date / Merkt euch den Termin vor: Samstag, der 22. August 2026) rudern wir die nächste Etappe. Auch darüber werden wir berichten. Wir freuen uns jetzt schon sehr darauf. Has t Du Lust bekommen bei so einem Abenteuer 2026 dabei zu sein so melde dich einfach bei mir 0676 59 46 332 stefan.rozporka@hotmail.com